Einführung in den Beruf
– Rechte und Pflichten als Fachfrau/Fachmann Gesundheit (EFZ)
‑ Ausbildungsbeginn, Arbeitsrechte, Berufsimage, Schweigepflicht, Berufsgeheimnis
‑ Lernprozess, Prüfungen, Arbeitsplanung und –organisation
– Kommunikation

1. Die drei Lernorte
Deine Ausbildung findet an drei verschiedenen Orten statt, die eng zusammenarbeiten:
- Lehrbetrieb: Hier findet die praktische Ausbildung statt.
- Berufsfachschule (ZAG Winterthur): Vermittlung der theoretischen Grundlagen.
- Überbetriebliche Kurse (üK): Hier lernst und übst du die praktischen Fertigkeiten in einem geschützten Rahmen, bevor du sie am Patienten anwendest.
2. Deine Pflichten als lernende Person
Als FaGe-Lernende/r hast du gesetzliche Pflichten, die im Obligationenrecht (OR) verankert sind:
- Lernpflicht: Du musst alles tun, um das Lernziel zu erreichen.
- Anordnungen befolgen: Du musst den Anweisungen deiner Berufsbildner Folge leisten.
- Sorgfaltspflicht: Du musst Werkzeuge, Materialien und Geräte sorgfältig behandeln.
- Berufsgeheimnis / Schweigepflicht: Informationen über Patienten sind streng vertraulich und dürfen nicht nach außen getragen werden.
- Lerndokumentation: Du bist verpflichtet, dein Arbeitsheft (die Lerndokumentation) regelmäßig zu führen.
3. Deine Rechte als lernende Person
- Fachgemässe Ausbildung: Der Betrieb muss sicherstellen, dass du durch qualifiziertes Personal ausgebildet wirst.
- Lohn: Du hast Anspruch auf einen vereinbarten Lehrlingslohn.
- Ferien: Bis zum 20. Lebensjahr hast du Anrecht auf mindestens 5 Wochen Ferien.
- Arbeitszeugnis: Am Ende der Lehre hast du Anspruch auf ein Zeugnis, das über deine Tätigkeiten und Leistungen Auskunft gibt.
4. Jugendarbeitsschutz (Spezielle Regeln für Lernende unter 18)
Da viele FaGe-Lernende bei Lehrbeginn noch minderjährig sind, gelten besondere Schutzbestimmungen:
- Höchstarbeitszeit: Maximal 9 Stunden pro Tag.
- Ruhezeit: Zwischen zwei Arbeitseinsätzen müssen mindestens 12 Stunden Pause liegen.
- Nacht- und Sonntagsarbeit: Ist für FaGe-Lernende ab 16 Jahren erlaubt, sofern es für die Ausbildung notwendig ist (Begleitung durch eine Fachperson ist Pflicht).
5. Professionelles Auftreten und Kompetenzen
Hygiene: Die Einhaltung der Spitalhygiene ist eine grundlegende Pflicht zum Selbst- und Patientenschutz
Kompetenzgrenzen: Du darfst nur Aufgaben übernehmen, für die du ausgebildet wurdest oder unter Aufsicht stehst.
6. Berufsimage & Professionalität
Als FaGe repräsentierst du deinen Berufsstand und deinen Betrieb.
- Auftreten: Ein gepflegtes Erscheinungsbild und die Einhaltung der Hygienevorschriften sind Pflicht.
- Haltung: Du begegnest Klienten mit Respekt und berücksichtigst ihre individuellen Bedürfnisse und kulturellen Hintergründe.
- Kompetenzen: Professionell handelt auch, wer seine eigenen Grenzen kennt und nur Aufgaben ausführt, für die er ausgebildet wurde.
7. Schweigepflicht & Berufsgeheimnis
Dies ist einer der sensibelsten Bereiche im Gesundheitswesen:
Datenschutz: Patientendaten dürfen nur innerhalb des Behandlungsteams besprochen werden, wenn es für die Pflege notwendig ist.
Absolute Diskretion: Alle Informationen über Patienten (Diagnosen, Privatleben, Daten) unterliegen dem Berufsgeheimnis.
Rechtliche Folge: Eine Verletzung der Schweigepflicht kann strafrechtliche Konsequenzen haben und das Vertrauensverhältnis zerstören.


8. Der Lernprozess (Lernen im Betrieb und Schule)
Der Lernprozess in der FaGe-Ausbildung ist darauf ausgerichtet, Theorie und Praxis zu verknüpfen.
Selbstständigkeit: Du bist verantwortlich für deinen eigenen Lernfortschritt und musst proaktiv auf deine Berufsbildner zugehen.
Transfer: Das im ZAG gelernte theoretische Wissen musst du im Pflegealltag auf der Station anwenden können.
Lerndokumentation: Sie dient als Reflexionsinstrument, in dem du deine Erfahrungen und gelernten Kompetenzen schriftlich festhältst.
9. Prüfungen und Qualifikationsverfahren (QV)
Deine Leistungen werden während der gesamten drei Jahre überprüft:
Erfahrungsnoten: Noten aus der Berufsfachschule (ZAG) und den überbetrieblichen Kursen (üK) fließen in die Endnote ein.
Qualifikationsverfahren (QV): Am Ende der Lehre findet die Abschlussprüfung statt, die aus einem praktischen Teil (IPA – Individuelle Praktische Arbeit) und theoretischen Prüfungen besteht.
Kompetenznachweise: Im Betrieb und in den üK werden regelmäßig Nachweise über deine praktischen Fähigkeiten erbracht.
10. Arbeitsplanung und -organisation
Ein strukturierter Arbeitstag ist im Gesundheitswesen lebenswichtig für die Patientensicherheit:
Priorisierung: Du lernst, Aufgaben nach Dringlichkeit und Wichtigkeit zu ordnen (z.B. Notfall vor Routinepflege).
Ressourcenplanung: Zur Organisation gehört auch, Materialien rechtzeitig bereitzustellen und die Zeit für Dokumentation einzuplanen.
Teamarbeit: Die Abstimmung mit dem Team ist essenziell, um den Überblick über die Station zu behalten und Verantwortlichkeiten zu klären.
Arbeitssicherheit: Eine gute Organisation beinhaltet immer auch den Selbstschutz (z.B. Rückenschonendes Arbeiten) und die Einhaltung der Hygienepläne.
In der FaGe-Ausbildung am ZAG Winterthur lernst du, dass die Pflege und Betreuung von Menschen von verschiedenen Faktoren beeinflusst wird. Diese Einflussfaktoren bestimmen, wie ein Klient seine Gesundheit erlebt und welche Unterstützung er benötigt.
Hier ist eine Übersicht der vier zentralen Bereiche:
11. Biologische Faktoren
Dies sind körperliche Aspekte, die die Gesundheit und Selbstständigkeit beeinflussen:
- Alter: Ein Kind hat andere Bedürfnisse als ein hochbetagter Mensch.
- Körperliche Verfassung: Vorhandene Krankheiten, Behinderungen oder die genetische Veranlagung.
- Entwicklungsstand: Wo steht der Mensch in seinem Lebenszyklus?.
12. Psychische Faktoren
Die seelische Verfassung spielt eine grosse Rolle dabei, wie jemand mit Krankheit oder Pflegebedürftigkeit umgeht:
- Gefühlslage: Ängste, Freude, Trauer oder Niedergeschlagenheit.
- Intelligenz und Bildung: Wie gut versteht der Klient seine Situation?.
- Persönlichkeit: Charakterzüge und die individuelle Belastbarkeit (Resilienz).
13. Soziokulturelle Faktoren
Der Mensch ist ein soziales Wesen. Sein Umfeld prägt sein Verhalten und seine Erwartungen:
- Soziales Netz: Familie, Freunde und die Wohnsituation.
- Kultur und Religion: Spezielle Bräuche, Speisevorschriften oder religiöse Rituale.
- Beruf und Finanzen: Der gesellschaftliche Status und die wirtschaftliche Lage.
14. Umgebungsabhängige Faktoren
Die äusseren Lebensbedingungen wirken sich direkt auf das Wohlbefinden aus:
- Wohnverhältnisse: Ist die Wohnung barrierefrei?.
- Klima und Ökologie: Licht, Luftqualität und Lärmbelastung.
- Geografische Lage: Zugang zu medizinischer Versorgung (Stadt vs. Land).
Bedeutung für die Praxis: Als FaGe musst du diese Faktoren bei der Arbeitsplanung berücksichtigen. Wenn du zum Beispiel weisst, dass ein Klient aufgrund seiner Kultur Schweinefleisch ablehnt oder wegen seiner Psychik morgens sehr ängstlich ist, musst du deine Pflege individuell anpassen.



In der Pflege ist Kommunikation weit mehr als nur Reden – sie ist ein zentrales Werkzeug deines Berufs. Am ZAG Winterthur lernst du, dass eine gelungene Kommunikation die Basis für Vertrauen zwischen FaGe und Klient bildet.
Hier sind die wichtigsten Grundlagen kurz zusammengefasst:
1. Das Sender-Empfänger-Modell
Jede Kommunikation folgt einem Grundmuster:
Sender: Die Person, die eine Nachricht schickt.
Empfänger: Die Person, die die Nachricht aufnimmt.
Codierung/Decodierung: Der Sender „verpackt“ seine Gedanken in Worte oder Gesten; der Empfänger muss diese „entschlüsseln“. Dabei entstehen oft Missverständnisse, wenn beide unterschiedliche Erfahrungen oder Sprachen haben.
2. Verbale und Nonverbale Kommunikation
Wir kommunizieren immer auf zwei Ebenen gleichzeitig:
Verbal: Das gesprochene Wort (Inhalt, Fakten).
Nonverbal: Alles ohne Worte – Mimik (Gesichtsausdruck), Gestik (Handbewegungen), Körperhaltung, Blickkontakt und Distanz.
Paraverbal: Wie wir etwas sagen (Tonfall, Lautstärke, Tempo, Pausen).
Wichtig: Wenn Worte und Körpersprache nicht zusammenpassen (inkongruent sind), glauben Menschen fast immer der Körpersprache!
3. Die 4 Seiten einer Nachricht (Schulz von Thun)
Jede Nachricht enthält vier Botschaften gleichzeitig:
Sachinhalt: Worüber ich informiere (Fakten).
Selbstoffenbarung: Was ich von mir preisgebe (Gefühle, Zustand).
Beziehung: Was ich von dir halte und wie wir zueinander stehen.
Appell: Wozu ich dich veranlassen möchte (Wunsch, Befehl).
4. Aktives Zuhören
Das ist eine der wichtigsten Fähigkeiten für dich als FaGe:
Dem Gegenüber die volle Aufmerksamkeit schenken.
Blickkontakt halten und nicken.
Paraphrasieren: Das Gesagte in eigenen Worten kurz wiederholen („Habe ich Sie richtig verstanden, dass…“).
Verbalisieren: Gefühle des Klienten ansprechen („Sie wirken heute etwas besorgt“).
5. Kommunikation im Team
In der Pflege ist der Informationsfluss lebenswichtig. Dazu gehören:
Präzise Übergaben: Klar und sachlich informieren.
Feedback-Kultur: Rückmeldungen konstruktiv geben und annehmen (Ich-Botschaften verwenden).